Höxter (TKu). Die Zeichen stehen auf Grün für die Märchenfiguren Hänsel und Gretel: Wenn alles nach Plan läuft, sollen die beiden Brüder-Grimm-Helden schon bald als Ampelmännchen am Berliner Platz in Höxter Fußgängern den Weg weisen. Die Initiative „Ampelmännchen Hänsel und Gretel“ wird derzeit von Heimat- und Verkehrsverein (HVV) sowie der Märchengesellschaft vorbereitet. Rechtzeitig zum diesjährigen Märchensonntag soll die Umrüstung voraussichtlich abgeschlossen sein. Die Idee, Fußgängerampeln in Höxter mit Märchenmotiven auszustatten, existiere schon seit mehr als vier Jahren, erklärt Norbert Drews, erster Vorsitzender des HVV. Doch die Umsetzung war bisher schwierig, denn nur die Ampel am Berliner Platz befindet sich in städtischer Hand, alle anderen Anlagen gehören dem Landesbetrieb StraßenNRW. Dieser verweist auf die Straßenverkehrsordnung, die laut dem Landesbetrieb klare Vorgaben für Ampeln vorgebe, und lehnt Änderungen ab. „In Deutschland wird das aber sehr unterschiedlich gehandhabt“, erklärt Drews. Deshalb hat er sich an den Juristen Prof. Dr. Ansgar Staudinger gewandt, um eine einheitlichere Regelung anzustoßen. Prof. Dr. Staudinger zeigte sich laut Drews aufgeschlossen und will das Thema beim nächsten Verkehrsgerichtstag im Januar 2026 in Goslar über die acht vorgesehenen Arbeitsgruppen einbringen.
Das solche Projekte machbar seien, das zeigten Beispiele in ganz Deutschland: Elvis Presley in Friedberg, Karl Marx in Trier, die Mainzelmännchen in Mainz, Otto Waalkes in Emden, der Rattenfänger in Hameln oder Hermann und Thusnelda in Detmold. Gerade letzteres Beispiel mache den Verantwortlichen Mut: Da Höxter und Detmold denselben Verwaltungsweg über das Regierungspräsidium gingen, spreche aus Sicht der Initiatoren nichts gegen eine Genehmigung, weiß Bürgermeister Daniel Hartmann zu berichten, der sich auf dieses neue Wahrzeichen sehr freut. „Der Entwurf für die neuen Ampelsymbole stammt von der Höxteraner Agentur Fien Design. Er erfüllt die formalen Anforderungen der Straßenverkehrsordnung. Das rote Signal zeigt einen stehenden Fußgänger, das grüne einen schreitenden, eingebettet in eine künstlerisch überzeugende Darstellung von Hänsel und Gretel“, so der HVV-Vorsitzende.
Die Stadt Höxter trägt in der „Deutschen Märchenstraße“ den Titel „Hänsel und Gretel-Stadt“. Zwar habe die Stadt Höxter ihre Mitgliedschaft in dem Verein „Deutsche Märchenstraße“ aus finanziellen Gründen gekündigt, sie laufe jedoch wegen der vorgegeben Kündigungsfrist noch zwei Jahre weiter, erklärt der Vereinsvorsitzende. Norbert Drews möchte nun zusammen mit dem HVV erreichen, dass Höxter im Verein verbleibt. Aktuell prüft er, ob die Beiträge künftig durch private Sponsoren oder Vereine übernommen werden können. Die Verbundenheit mit dem Märchenthema hat in Höxter Tradition: Schon 1998 wurde die Märchengesellschaft gegründet. Zwei Jahre später folgte der Märchenbrunnen mit den bronzenen Figuren von Hänsel und Gretel in der Stummrige Straße, finanziert durch Spenden. Höhepunkt ist bis heute der Märchensonntag im Oktober, der zahlreiche Besucher anzieht. Mit den Märchen-Ampelfiguren wollen die Initiatoren laut Drews nicht nur eine weitere Attraktion schaffen, etwa im Rahmen der Landesgartenschau 2023, sondern auch ein dauerhaftes Heimatsymbol etablieren. „Die Figuren sollen für regionale Identität stehen und nicht nur unsere Touristen begeistern“, betont Norbert Drews.
Foto: Thomas Kube