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Samstag, 04. Juli 2026 Mediadaten
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Im Erdgeschoss des Westwerks erläuterte Restauratorin Franziska Tretow (LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen) die für den Erhalt der karolingischen Wandmalereien unabdingbare Klimastabilisierung im Westwerk.

Höxter (red). Kurz vor dem Abschluss eines bedeutenden Bauprojekts hat sich das Netzwerk Corvey zu seinem zweiten Treffen im Welterbe versammelt. Rund 40 Fachleute aus Archiven, Hochschulen, Museen, Bibliotheken sowie den LWL-Abteilungen für Archäologie und Denkmalpflege erhielten erstmals Einblick in die neue barrierefreie Zuwegung zum Johanneschor des karolingischen Westwerks.

Das 2025 gegründete Netzwerk bringt Expertinnen und Experten verschiedener Disziplinen zusammen, fördert den wissenschaftlichen Austausch und stößt neue Forschungsprojekte an. Trotz jahrzehntelanger Untersuchungen birgt das Welterbe Corvey noch zahlreiche offene Fragen. So soll künftig unter Leitung von Professor Dr. Johannes Süßmann (Universität Paderborn) erstmals die barocke Klosterbibliothek wissenschaftlich digital erschlossen werden.

Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Professor Dr. Mechthild Black-Veldtrup (Landesarchiv NRW) im Namen der Mitinitiatoren Annika Pröbe, Dr. Holger Kempkens und Michael Koch. Auch Schlossherr Viktor Herzog von Ratibor und Fürst von Corvey, Pfarrdechant Dr. Hans-Bernd Krismanek sowie Höxters Baudezernentin Julia Gogrewe hießen die Gäste willkommen.

Im Mittelpunkt stand die neue barrierefreie Erschließung des Johanneschors. Dr. Christoph Heuter und Restauratorin Franziska Tretow (LWL-Denkmalpflege) erläuterten die besonderen denkmalpflegerischen Anforderungen. Ziel war es, einen Zugang zu schaffen, ohne die rund 1.200 Jahre alte Bausubstanz oder das empfindliche Klima im Westwerk zu beeinträchtigen. Denn Temperaturschwankungen und eine zu hohe Luftfeuchtigkeit gefährden die wertvollen karolingischen Wandmalereien.

Nach sechs Jahren Planung steht das Projekt unter Regie der Corvey gGmbH nun kurz vor der Fertigstellung. Möglich wurde der Zugang durch die Nutzung einer bereits in der Neuzeit angelegten Öffnung im Domänengebäude. Ein neuer Verbindungsgang mit Schleusenfunktion und ein Ampelsystem sollen künftig helfen, das Raumklima konstant zu halten.

Bei den Bauarbeiten wurden zudem archäologische Spuren freigelegt. Unter dem Verbindungsgang kamen Teile des ehemaligen Klosterfriedhofs zum Vorschein. Im Bereich des neuen Aufzugs entdeckten Archäologen außerdem die Feuerung eines rund zwei Meter großen Braukessels aus dem 18. Jahrhundert, der auf die frühere Nutzung des Gebäudes als Klosterbrauhaus hinweist.

Ein weiterer Schwerpunkt des Treffens war die langfristige Konservierung der karolingischen Wandmalereien. Franziska Tretow stellte ein Forschungsprojekt des LWL vor, das sich mit einer möglichst energieeffizienten und schonenden Klimastabilisierung beschäftigt. Simulationen des Fraunhofer-Instituts zeigen, dass selbst Besucher mit regennasser Kleidung das Raumklima weniger beeinflussen als zunächst angenommen.

Annika Pröbe zog eine positive Bilanz. Die neue Zuwegung verbessere nicht nur die Barrierefreiheit, sondern helfe auch, das Klima im Westwerk dauerhaft zu stabilisieren. Zugleich habe das zweite Netzwerktreffen erneut gezeigt, wie wertvoll der interdisziplinäre Austausch für die Erforschung und den Erhalt des Welterbes Corvey ist.

Foto: Kirchengemeinde Corvey

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