Höxter (TKu). „Wenn wir es nicht fotografieren, sieht es die Welt nicht!“ Dieser prägnante Satz der getöteten Höxteraner Fotojournalistin Anja Niedringhaus hat auch nach ihrem Tod Bestand und animiert andere junge Fotojournalistinnen und Journalisten noch heute dazu, in die Fußstapfen von Anja Niedrinhaus zu treten, für die Pressefreiheit und um der Wahrheit ein Bild zu geben. Ausgezeichnet wurde daher die deutsche Fotojournalistin Johanna-Maria Fritz am Samstag mit dem Anja-Niedringhaus-Preis für Mut im Fotojournalismus. Dieser Preis (Anja Niedringhaus Courage In Photojournalism Award) wurde direkt am Ort des Erinnerns in Höxter an Johanna-Maria Fritz verliehen.
Es war aufgrund der Wetterlage eine sehr heiße Veranstaltung bei der öffentlichen Preisverleihung im Forum Anja Niedringhaus (FAN). Johanna-Maria Fritz arbeitet für die Ostkreuz Agentur und setzt ihre fotografischen Schwerpunkte auf Krieg, Menschenrechte und soziale Themen. Aktuell dokumentiert sie insbesondere die Ereignisse in der umkämpften Ost-Ukraine. Mit ihr wurde erstmals eine deutsche Fotografin mit dem internationalen Preis geehrt. Die Auszeichnung wird seit 2015 von der International Women’s Media Foundation (IWMF) verliehen und erinnert an die im Jahr 2014 gewaltsam getötete Kriegsfotografin Anja Niedringhaus. Der Preis ist mit 20.000 US-Dollar dotiert und wurde durch eine Spende von einer Million US-Dollar der Howard G. Buffett Foundation ermöglicht.
Bereits zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Höxters Bürgermeister Daniel Hartmann die Gäste und lobte das Wirken von Johanna-Maria Fritz sowie auch von Anja Niedringhaus. Die musikalische Begleitung der Feierstunde übernahm die Musikschule Höxter mit Phillip Bollak, Serafine Reineke und Klaudia Knapp. Durch das Programm führte Silja Polzin aus dem Vorstand des Forum Anja Niedringhaus (FAN). Anwesend war auch die US-amerikanische Fotografin Heidi Levine, die erste Preisträgerin des Anja-Niedringhaus-Preises. Sie reiste eigens aus Israel an, wo sie derzeit für „The Washington Post“ die Auswirkungen des Kriegs mit dem Iran dokumentiert. Ihre Rückkehr an einen Ort der Würdigung des Fotojournalismus unterstrich die internationale Bedeutung der Auszeichnung.
Im Verlauf der Feierstunde sprach Johanna-Maria Fritz selbst über ihre Arbeit in Krisen- und Kriegsgebieten und zeigte eine Auswahl ihrer Fotografien. Vor dem Beginn des Ukraine-Krieges hatte sie unter anderem aus Afghanistan sowie über den Sturz des Assad-Regimes in Syrien berichtet. Die Jury würdigte insbesondere ihr Portfolio „Al Naw: Das letzte Krankenhaus“, das eindringliche Einblicke in eine der weltweit am stärksten vernachlässigten humanitären Krisen im Sudan gibt. Neben der journalistischen Leistung wurde auch die persönliche Dimension des Berufs thematisiert. Fritz äußerte ihre tiefe Verbundenheit zu Anja Niedringhaus und bedauerte, dass sie die berühmte Fotografin nie persönlich kennenlernen konnte. Während Niedringhaus 2014 in Afghanistan getötet wurde, befand sich Fritz noch in ihrer Ausbildung an der Ostkreuzschule für Fotografie. Sie betonte, wie sehr sie sich einen Austausch über Erfahrungen, Entscheidungen und den Umgang mit gefährlichen Situationen gewünscht hätte.
Auch die historische Bedeutung der Namensgeberin wurde hervorgehoben. Anja Niedringhaus, geboren 1965 in Höxter und 2014 gestorben, gilt weltweit als Vorbild für mutigen Kriegsjournalismus. Sie war 2005 die erste deutsche Frau, die den Pulitzer-Preis für aktuelle Fotoberichterstattung erhielt, und wurde im selben Jahr von der International Women’s Media Foundation für ihre Arbeit in einer männlich dominierten Branche ausgezeichnet. Das 2023 eröffnete Forum Anja Niedringhaus in Höxter versteht sich als Kultur- und Begegnungsort, der ihr fotografisches Erbe bewahrt. Die internationale Dimension des Preises wurde zudem durch eine Videobotschaft der IWMF-Präsidentin Alisa Munos unterstrichen, die von Ludger Haferkemper aus dem Vorstand des FAN übersetzt wurde. Munos würdigte den Preis als zentrale Herzensangelegenheit der Organisation und betonte, dass Anja Niedringhaus nicht nur Konflikte fotografiert habe, sondern Menschen inmitten dieser Konflikte mit Würde und Menschlichkeit sichtbar gemacht habe. Sie hob hervor, dass das Vermächtnis Niedringhaus’ in der Arbeit von Johanna-Maria Fritz weiterlebe, insbesondere in deren preisgekröntem Sudan-Projekt. Gleichzeitig bekräftigte sie das Engagement der IWMF für den Schutz von Journalistinnen, Pressefreiheit sowie Gleichberechtigung und Vielfalt im Journalismus weltweit.
Auch Heidi Ute Niedringhaus, die Mutter der verstorbenen Fotografin, äußerte sich bewegt. Sie bezeichnete es als besondere Ehre, dass die Preisverleihung erstmals in Höxter stattfinde. Sie erinnerte daran, dass frühere Verleihungen in Berlin, Washington und New York stattfanden. Da ihre Tochter stets eng mit ihrer Heimatstadt verbunden gewesen sei, sei das Forum in Höxter der ideale Ort für diese Ehrung. Zum Abschluss der Veranstaltung wurde erneut die Bedeutung des mutigen Fotojournalismus betont. Auch Bürgermeister Hartmann würdigte sowohl die Preisträgerin als auch das Lebenswerk von Anja Niedringhaus, deren Tod im Jahr 2014 eine große Lücke im internationalen Journalismus hinterlassen habe.
Fotos: Thomas Kube