Höxter (TKu). Die Nachricht trifft die Region hart: Nachdem bereits bekannt geworden war, dass die Flotte Weser ihre Route nach Beverungen einstellen wird, folgt nun der nächste Einschnitt für die Schifffahrt auf der Oberweser. Die Reederei hat bestätigt, dass die Kreisstadt Höxter künftig nicht mehr im regelmäßigen Linienbetrieb angefahren wird. Statt fester Fahrpläne setzt das Unternehmen verstärkt auf Charter- und Eventfahrten. Das ist seitens der Reederei ein Schritt, der das Ende einer langen Tradition markiert. Zwar bleibt die Flotte Weser weiterhin in Höxter am Start, doch tägliche Abfahrten zu festen Zeiten gehören vorerst der Vergangenheit an. Im neuen Fahrplan für das Weserbergland sind Höxter und Corvey zwar noch verzeichnet, doch konkrete Zeiten sucht man vergeblich. Stattdessen finden sich dort lediglich Hinweise auf Fahrten „nach Absprache und auf Anfrage“.
Laut Geschäftsführer Jörg Menze verursacht ein Schiff ganzjährig Kosten und das unabhängig davon, wie lange es tatsächlich eingesetzt werden kann. Gleichzeitig ist seit der Corona-Pandemie ein wichtiger Kundenstamm weggebrochen: der Busreiseverkehr. Gruppenreisen, die früher maßgeblich zur Auslastung der Schiffe beitrugen, sind deutlich seltener geworden. Vor diesem Hintergrund erscheint die strategische Neuausrichtung der Flotte Weser als nachvollziehbar, wenn auch schmerzhaft. Künftig sollen Charter- und Eventfahrten im Mittelpunkt stehen. Ob Geburtstage, Firmenfeiern oder Hochzeiten: Die Schiffe werden verstärkt als außergewöhnliche Veranstaltungsorte vermarktet. Von Schlagerpartys bis hin zu Technobeats auf dem Freideck ist dabei vieles denkbar. Die Reederei verspricht individuelle Angebote und ein „Rundum-Sorglos-Paket“ inklusive Catering und Unterhaltung. Eines der nächsten Events ist eine karnevalistische Fahrt mit dem Carnevalsverein Weserbrücke e.V. mit Musik und Party auf dem Innen- und Außendeck am 25. April ab 15 Uhr, an dem Jedermann teilnehmen kann.
Für Höxter bedeutet die jetzige Situation jedoch einen Einschnitt. Der regelmäßige Linienverkehr war nicht nur ein touristisches Angebot, sondern auch ein Stück Identität. Die Ära des verlässlichen Linienbetriebs ist vorerst beendet. Dabei blickt die Schifffahrt auf der Oberweser auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Schon in der Antike nutzten die Römer den Fluss als Transportweg, später spielte er auch in den Sachsenkriegen unter Karl dem Großen eine Rolle. Die moderne Fahrgastschifffahrt begann Mitte des 19. Jahrhunderts: 1854 nahm mit der „Blücher“ der erste Raddampfer seinen Betrieb zwischen Hameln und Hann. Münden auf. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich ein dichtes Netz an Anlegestellen, von dem auch Höxter und Beverungen profitierten. Besonders im frühen 20. Jahrhundert erlebte der Tourismus entlang der Weser einen Aufschwung. Die damalige Oberweser-Dampfschifffahrts-Gesellschaft koordinierte die Werbung und brachte immer mehr Gäste in die Region.
Im Jahr 1939 umfasste die Flotte zehn Schiffe, die insgesamt 30 Anlegestellen bedienten. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Freizeitverhalten grundlegend. Die Konkurrenz durch Auto und Bahn nahm zu, die Fahrgastzahlen gingen zurück und 1964 musste die Gesellschaft schließlich Konkurs anmelden. Die Kommunen sprangen ein, übernahmen die Schiffe und gründeten eine neue Gesellschaft, die bis 2003 Bestand hatte. Teile der Flotte gingen anschließend an die heutige Flotte Weser über, die den Betrieb in den vergangenen Jahren fortführte, wenn auch unter zunehmend schwierigen Bedingungen. Ein zentrales Problem ist der Wasserstand der Weser. Immer wieder führten niedrige Pegelstände dazu, dass der Betrieb vorzeitig eingestellt werden musste. Zwar gelten die eingesetzten Schiffe als vergleichsweise flachgängig, doch bei einer Fahrwassertiefe von unter 90 Zentimetern wird es kritisch. In den vergangenen Jahren kam es regelmäßig zu solchen Situationen, häufig bereits im Hochsommer. So musste der Betrieb etwa 2020 schon Mitte August eingestellt werden, in anderen Jahren hielt die Saison nur unwesentlich länger.
Foto: Thomas Kube