Beverungen/Drenke (red). Mehr als 35 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer rückt die Frage nach den Folgen der deutschen Einheit für die heutige Demokratie erneut in den Fokus. Eine öffentliche Gesprächsrunde im IG Metall Bildungszentrum auf der Elisenhöhe in Drenke widmet sich diesem Thema und lädt zur Diskussion über gesellschaftlichen Zusammenhalt und politische Entwicklungen ein.
Im Zentrum der Veranstaltung steht die Auseinandersetzung mit aktuellen Herausforderungen wie wachsender Polarisierung und einem erstarkenden Rechtsruck. Buchautor Tobias Frank und die Historikerin sowie Bildungsreferentin der IG Metall, Sophia Kuhnle, beleuchten unterschiedliche Perspektiven auf die Entwicklung seit der Wiedervereinigung.
Frank, der die Wendejahre 1989/1990 in der Region Chemnitz miterlebt hat, stellt sein Buch „… damit zusammenwächst, was zusammengehört“ vor. Darin geht es um Spannungen zwischen demokratischer Beteiligung und autoritären Denkweisen. „Im Mittelpunkt stehen dabei Spannungen zwischen demokratischer Beteiligung und autoritären Denkweisen, zwei Aspekte, die in der Zeit von Ost- und Westdeutschland eine große Rolle spielen“, erläutert Mitinitiator Helmut Lensdorf.
Gewerkschaftliche Perspektiven auf die Einheit
Sophia Kuhnle bringt eine gewerkschaftliche Sichtweise in die Diskussion ein. Ihr Fokus liegt auf Fragen politischer Teilhabe sowie der Rolle von Gewerkschaften im Vereinigungsprozess und in der Zeit danach. „Das sind Themen, die auch die Gewerkschaftsarbeit unmittelbar betreffen“, betont sie. Kuhnle beschäftigt sich wissenschaftlich unter anderem mit der Geschichte der Arbeit und der Arbeiterbewegung sowie mit gesellschaftlichem Wandel und Demokratiepolitik.
Eingeladen haben neben dem Bildungszentrum das Bündnis für Demokratie und Toleranz im Kreis Höxter sowie die Initiative „Omas gegen Rechts“. Unterstützung erhält die Veranstaltung zudem vom Bündnis für Demokratie und Vielfalt Höxter (Stadt).
Raum für Austausch und Debatte
Für die IG Metall ist der Diskussionsabend Teil ihres demokratiepolitischen Selbstverständnisses. Gewerkschaften verstünden sich nicht nur als Interessenvertretung für gute Arbeitsbedingungen, sondern auch als Akteure für eine lebendige Demokratie. Unterschiedliche Erfahrungen aus Ost und West sollten ernst genommen und offen diskutiert werden.
Ina Reber, Gewerkschafterin und Teil der Nachwendegeneration, übernimmt die Moderation. Ziel sei es, Räume zu schaffen, in denen respektvoll gestritten und gemeinsam nach Lösungen gesucht werde.
Auch Linda Papenberg von den „Omas gegen Rechts“ hebt die Aktualität des Themas hervor: „Sein Buch knüpft bewusst an Willy Brandts berühmten Satz aus der Wendezeit an – und stellt die Frage, was es heute konkret braucht, damit zusammenwächst, was zusammengehört.“
Die Veranstaltung findet am 15. April um 19 Uhr im IG Metall Bildungszentrum auf der Elisenhöhe in Drenke statt.

Fotos: Bündnis für Demokratie